Max Lukas, Leiter Kundendienst der AL-KO Fahrzeugtechnik
Max Lukas, Leiter Kundendienst der AL-KO Fahrzeugtechnik

Viel Stauraum bedeutet nicht automatisch viel Zuladung. Insbesondere Reisende mit Wohnwagen übertreiben es beim Einladen gern einmal. Die Folgen daraus können fatal sein und die Geldstrafen empfindlich hoch. Die Auflastung des Wohnwagens ist eine Möglichkeit, mehr Zuladung zu erreichen.

BORN2CAMP hat in einer mehrwöchigen Aktion die Wohnwagen-Communities verschiedener Sozialer Netzwerke befragt. Die 10 spannendsten Fragen haben wir AL-KO, dem Marktführer für Wohnwagen- und Reisemobil-Chassis, gestellt.

Hierfür stand uns Max Lukas, Leiter Kundendienst der AL-KO Fahrzeugtechnik, Rede und Antwort.

 


Auflastung von Wohnwagen sehr gefragt

BORN2CAMP: Vielen Dank Herr Lukas, dass wir dieses Interview führen dürfen. Das Thema „Auflastung“ bewegt sehr viele Camper, wie wir an der regen Teilnahme an unserer Umfrage feststellen konnten. Empfindet das AL-KO genauso?

Max Lukas: Gerne. Das habt Ihr genau richtig erfasst. Viele Camper rüsten Ihre Fahrzeuge über die Jahre hinweg mit immer mehr Zubehör und Features nach und stellen dann irgendwann fest, dass die Zuladung für Ihre Campingbedürfnisse leider zu gering oder manchmal sogar schon überschritten ist. Dementsprechend stellen wir schon seit mehreren Jahren einen stetigen Anstieg an Auflastungsanfragen fest.


Sinn von Dokumentenauflastungen?

BORN2CAMP: Matthias fragt sich, worin der Sinn einer Dokumentenauflastung besteht. Wenn ein Fahrwerk doch schon entsprechend ausgeliefert wird, warum muss dann nochmals eine Dokumentenauflastung gemacht werden, die nochmals Geld kostet.

Max Lukas: Die Fahrzeughersteller achten immer auf ein optimales Gewichtsverhältnis aus Gesamtgewicht und Leergewicht, um Ihren Kunden die besten Nutzverhältnisse zu bieten.

Aber selbstverständlich verfügt nicht jeder Camper über einen großen SUV oder dergleichen. Daher werden die Caravans in Ausnahmefällen abgelastet bzw. mit einem geringeren Gesamtgewicht zugelassen, damit sie auch von kleineren Zugfahrzeugen gezogen werden dürfen.

So kann es sein, dass ein Caravan über ein Fahrgestell bzw. eine Achse verfügt, die eigentlich mehr Gewicht tragen dürfte als im Fahrzeugschein eingetragen bzw. auf dem Typenschild eingeschlagen ist.

Wenn nun der Caravan auf das technisch mögliche Gesamtgewicht aufgelastet werden soll, entstehen für die technischen Überprüfungen, die Erstellung der Unbedenklichkeitsbescheinigung des Caravan-Herstellers, die Prüfung der Chassis-Zeichnung bei uns im Hause und unter Umständen einer Bremsberechnung entsprechende Kosten.


Die Freigabe zur Auflastung obliegt dem Hersteller

BORN2CAMP: Karin möchte wissen, welche grundsätzlichen Voraussetzungen gegeben sein müssen, um überhaupt eine Auflastung in Betracht ziehen zu können.

Max Lukas: Das Wichtigste ist natürlich eine Freigabe seitens des Caravan-Herstellers. Hier empfehlen wir den Kunden, sich vorab mit dem Hersteller ihres Caravans abzustimmen und auch die möglichen Gewichtsbereiche abzuklären. Ob und wieviel Gewicht der Aufbau tragen kann und darf, obliegt dem Hersteller.

Leider können wir als Chassis-Hersteller ohne die Zustimmung des Caravan-Herstellers keine Auflastung durchführen.

Wenn wir diese Informationen haben, können wir anhand der Chassis-Daten und Chassis-Zeichnung prüfen, welche Änderungen an unserem Chassis erforderlich sind, um das gewünschte Zusatzgewicht sicher tragen zu können.


Altersgrenze für Wohnwagen?

BORN2CAMP: Natalie interessiert ob es eine Altersgrenze für Wohnwagen gibt um diese noch aufzulasten.

Max Lukas: Das ist vom Caravan-Hersteller abhängig und sehr unterschiedlich. Unserer Erfahrung nach liegt die Altersgrenze bei vielen Herstellern bei zirka 20 bis 25 Jahren. Es gibt aber auch einige Herstelle, die keine Begrenzung haben und jede Auflastungsanfrage als Einzelfall prüfen.


Immer weniger Zuladung?

BORN2CAMP: Jens fragt sich, warum neue Wohnwagen gefühlt immer weniger Zuladung haben. Sicherlich wird immer mehr Ausstattung verbaut, trotzdem scheint die mögliche Zuladung immer weniger zu werden. Warum wird nicht von Anfang an einfach das potenteste Chassis unter einen Wohnwagen gebaut, so dass man nicht mehr im Nachhinein auflasten müsste?

Max Lukas: Hierbei darf man nicht vergessen, dass das jeweils so genannte „potenteste“ Fahrgestell aufgrund seiner entsprechenden Versteifungen und höheren Anzahl von  Traversen selbst auch wieder schwerer sein kann.

Die Hersteller versuchen immer, das optimale Chassis in der jeweiligen Gewichtsklasse zu wählen. Daher bieten bereits viele Hersteller die Option der Auflastung ab Werk an. Das ist für Kunden interessant, die gerne noch das ein oder andere Zubehörsystem nachkaufen möchten, dies aber nicht gleich ab Werk mit bestellen.


Auflastung der Stützlast?

BORN2CAMP: Rainer und Grahame besitzen einen Tandemachser-Wohnwagen mit einem 2.8t Chassis von AL-KO. Die Zuladung passt. Aber die Stützlast beträgt nur 100 kg. Ist es möglich die Stützlast zu erhöhen? Und wenn ja, was für ein Aufwand ist das?

Max Lukas: Nein, leider ist das weder seitens des Herstellers noch unsererseits möglich.

Im Gegensatz zu einer Auflastung des zulässigen Gesamtgewichts, bei der durch die Erhöhung der Achslasten das Gewicht immer gleichmäßig verteilt wird, hätte die Erhöhung der Stützlast u.U. einen negativen Einfluss auf die Schwerpunktlage und somit auch auf das Fahrverhalten.


Chassis ersetzen?

BORN2CAMP: Martin hat derzeit ein BPW-Fahrwerk unter seinem Wohnwagen. Wäre es technisch möglich, das Fahrwerk eines anderen Herstellers komplett zu ersetzen und dadurch eine höhere Zuladung zu erreichen?

Max Lukas: Dies ist leider mit einem enormen Anpassungsaufwand verbunden und wird seitens AL-KO nicht generell angeboten.

In speziellen Einzelfällen ist es technisch möglich, muss aber immer geprüft werden. Es ist auf jeden Fall beim kompletten Tausch des Fahrwerks eine Einzelabnahme beim TÜV oder einem entsprechend befähigten technischen Service notwendig, da die typgeprüften Teile getauscht werden.


Grenzen bei Mono-Achsern?

BORN2CAMP: Oliver zieht einen 2016er Monoachser in den Urlaub. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 2t. Gibt es bei so schweren Monoachsern noch Möglichkeiten einer Auflastung?

Leider nein. 2 Tonnen sind das Limit bei Einachsern.

(Anm. d. Red.: siehe auch: http://born2camp.de/grosse-caravans-mono-oder-tandemachser/)


Berechnung des zgG

BORN2CAMP: Tom möchte gerne wissen, warum die Stützlast beim Wohnwagen zum zulässigen Gesamtgewicht hinzugerechnet wird? Wäre es da nicht sinnvoll, beispielsweise ein Gesamtgewicht von 1850kg und eine zulässige Achslast von 1750kg in die Papiere einzutragen, wenn die Stützlast 100kg beträgt?

Max Lukas: Die Stützlast ist auch in unseren Angaben und Berechnungen immer ein Teil des zulässigen Gesamtgewichts.

Die Änderung der Angaben oder Ausführungen in den Fahrzeugpapieren liegt bei den zuständigen Behörden.

Hier hat AL-KO leider keinen Einfluss und muss sich an die gesetzlichen Vorgaben halten.


Keine Freigabe?

BORN2CAMP: Steve hat einen Wohnwagen aus 2008. Der Chassis-Hersteller AL-KO hat eine Auflastung angeboten, aber der Hersteller des Wohnwagens erteilt keine Freigabe für die Auflastung. Was könnten die Gründe hierfür sein?

Max Lukas: Gründe hierfür können z.B. Radkastenfreiräume oder begrenzende Festigkeitseigenschaften in Leichtbaustrukturen oder dergleichen sein. Diese Frage kann aber nur der Hersteller selbst konkret beantworten.


Auflastung ohne Typenschilder und Papiere?

BORN2CAMP: Kilians Wohnwagen ist aus dem Jahr 1975. Den Hersteller des Wohnwagens gibt es nicht mehr und die Typenschilder auf der Achse sind unlesbar. Die errechnete Zuladung liegt bei ca. 80 kg. Gibt es eine Möglichkeit, einen solchen Wohnwagen noch mit vertretbarem Aufwand aufzulasten?

Max Lukas: Solche Anfragen haben wir gelegentlich bei Kunden, die einen Oldtimer-Caravan restaurieren möchten.

Hier können wir leider in vielen Fällen auch keine Informationen rekonstruieren, wenn entsprechende Plaketten unleserlich sind und Dokumente fehlen. In solchen Fällen empfehlen wir die Möglichkeiten unsere Achsen und Komponenten aus unserem Katalog in enger Abstimmung mit dem technischen Dienst, z.B. dem TÜV, zu prüfen.


Beste Vorgehensweise?

BORN2CAMP: Eine generelle Frage, stellvertretend für die vielen Fragen, die wir nicht stellen konnten: Was ist die beste Möglichkeit, um zu erfahren, ob eine Auflastung möglich ist?

Max Lukas: Wir empfehlen, zunächst eine Anfrage mit der entsprechenden Wunschauflastung an den Caravan-Hersteller zu senden – mit der Bitte um Freigabe inklusive einer Ausführung, ob technische Änderungen am Fahrgestell erforderlich sind.

Gleichzeitig sollte auch die Fahrgestellzeichnungsnummer angefordert werden. Mit diesen Unterlagen und dem Fahrzeugschein wendet sich der Caravan-Besitzer dann an AL-KO.

Weitere Informationen zur Auflastung sowie ein Online-Formular gibt es bei uns im Internet unter http://www.alko-tech.com/de/kundencenter/gewichtsauflastung

BORN2CAMP: Vielen Dank für das nette und informative Interview 🙂

Über den Autor

BORN 2 CAMP

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