Volkwagen T4 Multivan (1993)

Karl vor einem Jahr

Wertungen

Zuverlässigkeit
Motor
Fahreigenschaften
Qualität insgesamt
Innenausstattung
Wohnwert/Komfort
Grundriss
Betten
Küche
Bad
Stauraum

Gallerie

Bewertung

Der Volkswagen Transporter, genannt T4, ist auch in der gehobenen "Multivan"-Ausstattung eigentlich noch kein richtiges Wohnmobil, da er, anders als die vollwertigen Campingmodelle namens "California ..", über kein Wasser, keine Kochmöglichkeit und keine Einbauschränke verfügt. Dennoch: Gerade in Verbindung mit einem Hoch- oder Aufstelldach, welches Stehhöhe und/oder zusätzliche Schlafplätze bietet, ist der Multivan dank seiner intelligenten Features ein super (Saison-)Reisemobil. Dabei möchte ich nochmals betonen, daß das Hausen in einem VW-Bus naturgemäß etwas vollkommen anderes ist, als in einem Vollintegrierten oder großen Wohnwagen.
Einige der Ausstattungsmerkmale möchte ich hier kurz beschreiben (ich beziehe mich dabei auf den ersten T4 Multivan, der bis 1995 gebaut wurde, mit Aufstelldach. Ab 1995 ("MV II")sind Details etwas anders) :

-Ausstattungsmerkmale:

-2+2 Schlafplätze (2 unten auf der umgeklappten Dreierrückbank + Matrazenfläche im Fond, 2 oben im Dach)
-Aufstelldach mit nach oben klappbarer Bettplatte (dadurch Stehhöhe im Innenraum), geöffnet und gehalten durch eine Kniegelenkstütze
-6 eingetragene Sitzplätze (2 Front, 1 hinter Fahrer Blickrichtung nach hinten ("B2B"), 3er Rücksitzbank). Beifahrersitz drehbar
-Klapptisch mittig, Kühlbox (Peltier, 12V/80W, 20l) unter dem B2B-Sitz
-Luftstandheizung, programmierbar, Eberspächer B2L/D2L
-Gardinen rundum inkl. Fahrerkabine
-Zusatzbeleuchtung Innenraum (2x 12V, Energiesparröhren)
-Zusatzbatterie 80 Ah (?) mit Trennrelais, zur Versorgung genannter Verbraucher

-Grundsätzliche Überlegungen:

-Multivan: "Camping light" / Ausbauoptionen:
Wie der Name schon sagt, ist der Multivan das Universaltalent aus der T4-Palette. Wie oben bereits erwähnt, bietet er zwar nur "Camping light" aufgrund fehlender Ausstattung wie Küche/Bad, dafür ist er allerdings auch als Alltags-Familienauto, bei dem nicht ein Drittel des Raumes für mitgeschleppte Campingausstattung und schwere Zusatztechnik draufgeht, nutzbar. Auch als vollwertiger Transporter bleibt er nutzbar: Ohne Ausbau der Sitze passen zb Gipskartonplatten 125x260 cm oder Bauhölzer bis ca. 350 cm Länge hinein.
Dabei mit Abmessungen, die kaum über die Maße einer heutigen Familienkutsche hinausgehen, und dem Fahrverhalten eines PKW. Ich war letzte Woche am Montmartre und bin durch die kleinen Einbahnstraßen hoch bis vor die große Freitreppe von Sacre-Coeur gefahren (dort geparkt, die Markise aber eingerollt gelassen ;) ), mach das mal mit einem Vollintegrierten. Sprich: Ob südeuropäische Altstädte, winzige Hotelparkhäuser oder die 2m-höhenbeschränkten Parkplätze DIREKT am Meer- alles kein Problem. Ein in der Urlaubsplanung / -gestaltung nicht zu unterschätzender Aspekt.
Wer sich seinen Multivan weiter zum Camper ausbauen will, dem bietet sich ein riesiger Fundus an Möglichkeiten. Es gibt nach wie vor viele Hersteller, die Zusatzoptionen wie Möbel, Küchenmodule, Sitze, komplette Hoch- und Klappdächer, Kinderbetten, Markisen, Vor- und Heckklappenzelte usw. usf. anbieten und einbauen. Auch Anleitungen zum Eigenbau solcher Dinge gibt es wie Sand am Meer.
Häufige (Eigenbau-) Zusatzlösungen sind zb das Ersetzen des B2B-Sitzes durch einen Schrank oder kleinen Küchenblock (Ich habe dort einen kleinen Block mit Unterbringung für die original Kühlbox, 2 Staufächern und einem aufklappbaren 2-Flammenherd), oder der Einbau von Heckschubladen, die helfen, den doch recht tiefen Kofferraum optimal zu nutzen. Ein weiteres Feature, das den Wohnwert deutlich erhöht: Das Nachrüsten einer Profilschiene an der Dachkante (beifahrerseitig) zum Anbringen einer Markise, eines Sonnensegels oder Vorzeltes, das auf diese Weise gut mit dem Fahrzeug verbunden wird. Namhafte Hersteller (zb Brandrup) haben solche Schienen, passend zum T4, im Programm. Desweiteren gibt es noch hunderte andere Möglichkeiten, den Multivan weiter zum Camper zu machen, aber da jeder andere Anforderungen/ Bedürfnisse hat, werde ich dieses Thema an dieser Stelle nicht vertiefen..

-Marke/Teile/Reparaturen/Wert:
Der Volkswagen Transporter ist wahrscheinlich DER Transporter überhaupt. Obschon in der 4. Generation komplett neukonstruiert (Frontmotor, Fahrwerk, etc.), ist das grunsätzliche Konzept nun schon beinahe 70 Jahre alt, die Erfahrungen bei VW mit Camperversionen des Transporters sind fast genauso alt. Man könnte sagen, daß das Konzept erprobt und ausgereift ist. Das merkt man überall im T4 Multivan: Das Zusammenspiel der Ausstattungskomponenten ist stimmig, alles ist am richtigen Platz und wirkt solide und durchdacht, nichts ist nutzloses Spielzeug.
Der T4 ist nach wie vor sehr häufig auf den Straßen zu finden, auch fast überall im (europäischen) Ausland. Die Ersatzteilversorgung ist dadurch (noch) sehr gut, auch bei VW selber; Wartungen und Reparaturen sind relativ günsig, und überall von jedem Schrauber durchzuführen. Auch die Hersteller der diversen Ausstattungsdetails, wie Eberspächer oder Westfalia, führen teilweise noch Teile für den T4.
Wie schon davor T1, T2 und T3, ist auch der T4 längst auf dem Weg, ein Klassiker und Liebhaberauto zu werden. Aktuell zumindest sind die Ausstattungslinien ab dem Multivan und darüber zumeist wertstabil, und werden es m.E. auch bleiben. Dieselunsicherheit, VW-Skandal hin oder her: Für gut ausgestattete, originale Campermodelle werden gebraucht ordentliche Summen verlangt. Wer also einen gebrauchten kauft und ihn weiter pflegt, braucht sich über Wertverlust kaum Sorgen zu machen.. Zudem bekommen die ersten T4 in bereits drei Jahren das H-Kennzeichen! Allerdings sollte der Aufwand, einen über 20 Jahre alten Campervan vernünftig zu erhalten, nicht unterschätzt werden!

-Der "Bulli-Faktor":
Der VW-Bus ist einfach der Liebling der Massen, seit der Nachkriegszeit ein festverwurzelter Teil der deutschen Automobilkultur. Wer auf dem Campingplatz schnell Anschluß sucht, oder sich gerne in Internetforen über kleinste technische Details auseinandersetzt, ist mit einem VW-Bus grundsätzlich gut bedient. Die frühen T4-Modelle, gerade die Camper, haben mittlerweile ähnlichen Kultstatus wie alle vorhergegangenen Modelle seit dem T1-Samba, und zaubern schon mal Lächeln auf die Gesichter... Auf dem letzten Platz, wo wir waren, standen zb sechs T4/T5/T6 in einer Reihe, allesamt (bis auf ein älteres Paar) "bewohnt" von jungen "Elternzeitlern" mit 1-2 kleinen Kindern.

-Technisches:

-recht breite Motorenpalette, sowohl Diesel- (1,9–2,5 Liter/ 44–111 kW), als auch Ottomotoren (1,8–2,8 Liter/ 49–150 kW). Bekommen fast alle die grüne Plakette, teilweise jedoch mit erheblichem Nachrüstaufwand. Eigentlich gilt der gesamte Antrieb im T4 als unproblematisch und langlebig, von einigen Kleinigkeiten bei bestimmten Baujahren bzw. Motorvarianten mal abgesehen; einige der Motoren gelten als buchstäblich unverwüstlich.
-Zwei verschiedene Radstände: 2920mm und 3320mm. Die lange Ausführung (den Raumzugewinn durch die zusätzlichen 40cm nicht unterschätzen, das ist viel!)ist viel seltener, ein Aufstelldach gab es serienmäßig nur für den kurzen Radstand.
-Rost: Bei T4 vor 1996 immer ein Thema (wer anderes behauptet, lügt), gab es bestimmte Baujahre und Farbtöne (!), die als besonders rostanfällig gelten. Ein Grund könnte sein, das zu dieser Zeit langsam auf wasserbasierte Lacke umgestellt wurde. Genau hinschauen.
-Neupreis 1993, Grundpreis KR mit Aufstelldach, inkl. MwSt.: zwischen ca. DM 49.000,- und 58.000,- ,je nach Motorisierung

-Subjektive Bewertung:

-> Pluspunkte:
+ Reparatursicherheit, Erfahrung
+ Ersatzteilverfügbarkeit
+ Wertstabilität
+ Antrieb, Fahrwerk/ -verhalten
+ Abmessungen
+ vielfältige Ausstattungsoptionen, Nachrüstmöglichkeiten
+ Raumkonzept

-> Minuspunkte:
- Auf-/ Abbau Aufstelldach: Um es hochzudrücken, braucht es schon etwas Schmalz in den Armen. Beim Absenken muß man darauf achten, den Faltenbalg des Daches ordentlich zusammenzulegen, da er sonst sehr leicht beschädigt wird. Für Geübte kein Problem; sollte man es aber das erste Mal im Hellen und mit etwas Zeit machen...
- B2B-Sitz: Der B2B-Sitz läßt sich kaum nutzen, wenn der Fahresitz für eine Person 1,95 m, oder größer, eingestellt ist. Da ist die Lehne dann sehr steil.
- Rost: Anfang der 1990er Jahre baute man durchaus schon Autos, bei denen Rost absolut kein Problem mehr war, bei Volvo zb. Bei VW eher nicht, s.o.
- Gurte: Dreipunktgurte gibt es nur für die Frontsitze und die äußeren beiden auf der Rücksitzbank. Weder der B2B, noch der Mittelsitzplatz haben einen, nachgerüstet werden kann nicht. Kindersitze: Iso-was??
- Passive Sicherheit: ABS war noch sehr teure Sonderausstattung (3.000,- DM), ESP gab es im T4 erst ab 1996 (?). Die meisten frühen Multivans fahren ohne jegliches Assistenzsystem. Ähnliches gilt für Airbags.
- Umweltfaktor: Da ist eine Bewertung sicherlich schwierig. Fest steht, daß die Motorentechnik Jahrzehnte auf dem Buckel hat, und zumindest die Dieselmotoren die grüne Plakette nur mit Mühe schaffen. Ein T4 ist ein großes, schweres Auto mit dem Cw-Wert einer Scheune. Meine Meinung: Als Urlaubsfahrzeug für die Familie/ Transporter noch ok, als Alltags-Innenstadt-Kurzstreckenfahrzeug, für vermutlich eine Person, eigentlich nicht mehr vertretbar. Aber wir reden hier ja über Urlaubsfahrzeuge!