Große Wohnwagen sind im Trend. Und wie! Offensichtlich geht, ähnlich wie in der Automobilbranche, die Entwicklung hin zu größeren und komfortableren Wohnwagen. Und spätestens bei der Suche nach dem idealen Wohnwagen stellt sich die Frage: Monoachser oder Tandemachser?


Schaut man 10 – 20 Jahre zurück, wird man feststellen, dass früher auch kleinere und leichtere Wohnwagen mit 1.400kg und 7m Gesamtlänge auf einem Tandemfahrwerk standen. Neue Materialien, Brems- und Federtechniken ermöglichen es den Hersteller heute auch Wohnwagen mit 2t Gewicht und mehr als 8 Metern Länge auf nur eine Achse zu stellen.

In diesem Artikel möchten wir Euch die Vor- und Nachteile der beiden Konzepte in Bezug auf große Wohnwagen aufzeigen. Wir wissen, dass es eine Glaubensfrage unter Campern ist, wie groß ein Wohnwagen maximal sein darf, damit es „noch Camping ist“. Das ist aber hier nicht das Thema.

Info: So lange der Abstand zwischen den Radnaben des Tandemachsers weniger als einen Meter beträgt, gilt auch der Tandemachser laut der StVZO als „einachsiger Anhänger“.

Größe, Gewicht und Zuladung

Wohnwagen Tandemachser LMC Musica 725K

Eine zweite Achse ist schwer. Mit samt Bremsen, Reifen, Felgen, usw. bringt es das zusätzliche Achsaggregat auf ca. 100 kg. Das geht bei der Zuladung des Wohnwagens direkt ab. Hinzu kommt beim Tandemachser eventuell noch ein entsprechender 4 WD Mover, der mit (je nach Hersteller) 60 bis 90 kg zu Buche schlägt.

Die schwersten Tandemachser, die es derzeit am Markt gibt haben ein zulässiges Gesamtgewicht von 2.800 kg. Ausnahme ist der Tabbert Cellini Slide Out, der mächtige 3,5t auf die Waage bringt.

Die schwersten Monoachser liegen derzeit, je nach Chassis-Hersteller bei 1,9 bis 2t. Die physisch noch vertretbare Tragfähigkeit des Mono-Chassis über mehr als 8m setzt das Limit bei der Länge. So rangieren beispielsweise die 560er-Modelle von Dethleffs mit 8,18m oder die 590er-Serie von Bürstner mit 8,25. Den längsten Wohnwagen auf einer Achse baut derzeit Adria mit der 663-Serie. Diese Anhänger sind 8,65m lang und damit schon länger als manche aktuellen Tandemachser.

Im Bereich der Außenmaße ist beim Tandemachser im Prinzip nur der Gesetzgeber und die Größe der Straße das Limit. Die Gesamt-Längen dieser Anhänger reichen vom kleinen Knaus Deseo 400  mit 5,90m (1,35t) bis hin zum 11,57m langen KABE Imperial 1000 mit 2,8t

Ab einer bestimmten Größe wird die Zuladung zum Problem

Chassis, Achsen usw. haben alleine schon ein sehr hohes Eigengewicht. So lässt sich bei den Monoachsern die Faustregel anwenden: je größer der Wohnwagen umso weniger Zuladung. So hat der Bürstner Averso 590 TS eine Zuladung von 180 kg und in den ERIBA Nova SL 590 SL können noch 100 kg gepackt werden. Zieht man nun Ein- und Anbauten ab, die man noch „unbedingt“ braucht, wie beispielsweise ein Vorzelt oder einen Mover ist man ruck-zuck im zweistelligen Bereich, was überhaupt noch mit auf Reisen gehen darf.

Oft werden Tandemachser als reine Standwagen verkauft. Der Trend, dass immer mehr Camper einen großen Tandemachser zum reisen nutzen, entwickelt sich erst seit ein paar Jahren.

Beim Dauercamper ist die Zuladung egal.

Daher gibt es nach wie vor Tandemachser, die ohne zusätzliche Auflastung eine max. Zuladung von unter 200 kg haben wie bspw. den Fendt Diamant 650 SG mit eine max. Zuladung von 165 kg. https://born2camp.de/produkt/fendt-diamant-650-sg/.

Trotz des insgesamt höheren Gesamtgewichts findet man bei den Modellen mit zwei Achsen aber eher auch die Möglichkeit mehr Gepäck mit auf Reisen zu nehmen. So bietet Dethleffs in den 650er, Fendt in den 620er und Eriba in den 620er Modellen durchweg Zuladungen von deutlich über 400kg an.

Wir empfehlen, falls ein Wohnwagen neu bestellt wird, immer die höchste Auflastung zu wählen. Die Auflastung eines Tandemachsers ab Werk auf 2.5t, 2.6t oder sogar 2.8t ist deutlich günstiger als eine nachträgliche Auflastung durch Tausch von Achsen oder gar des kompletten Fahrwerks.

Sicherheit

Der Punkt Sicherheit geht ganz klar an den Tandemachser: Doppelte Anzahl Reifen bedeutet doppet so viel Auflagefläche. Ein Tandemachser läuft tendenziell ruhiger hinter seinem Zugfahrzeug her. Aufgrund der Tatsache, dass sich das Gewicht auf zwei Achsen bzw. vier Reifen verteilt neigt der Tandemachser nicht so sehr zum „tänzeln“ wie ein Monoachser. Sicherlich liegt diese verbesserte Spurtreue bei vielen Fällen auch am Gesamtgewicht und der Länge des Wohnwagens: ein 9m langer Tandemachser mit 2.5t lässt sich deutlich schwerer „aus der Fassung bringen“ als ein kurzer, leichter Monoachser. „Länge läuft“ heißt das Motto unter vielen Tandemachser-Fans.

Trotzdem sind Stabilisierungssysteme selbstverständlich auch hier eine sehr sinnvolle Investition. Egal ob in Form einer Anti-Schlingerkupplung oder – noch besser – in Kombination mit einem elektronischen Anti-Schleuder-System wie bspw. dem ATC von AL-KO.

Anmerkung: Für uns als BORN2CAMP ist es nicht nachvollziehbar, warum manche Hersteller diese Systeme bis vor kurzem serienmäßig verbaut hatten und sie in den Modelljahren 2017 bzw. 2018 kommentarlos auf die „Sonderausstattungsliste“ gesetzt haben.

 

Geplatzter Reifen am Wohnwagen

Ein weiteres wichtiges Argument für den Tandemachser sind die vorhandenen Reserven im Falle eines Reifenplatzers: platzt bei einem Wohnwagen mit nur einer Achse ein Reifen, kann dies schnell zu einer kritischen Situation führen.

Platzt bei einem Tandemachser einer der vier Reifen…

…sind immer noch drei da, mit denen das Gespann sicher an den Strassenrand gefahren werden kann.

Und, ein nicht zu unterschätzender Vorteil: der Tandemachser bremst selbstverständlich auch über vier Reifen. D.h. mit der doppelten Auflagefläche als ein Monoachser. Zusammen mit modernen Trommelsystemen wie bspw. den AAA-Bremsen von AL-KO ergibt das tatsächlich beeindruckende Bremsleistungen im Fall der Fälle.

Reisen, Urlaub, Campingplätze

Zwar lässt sich ein Tandemachser etwas leichter rangieren als ein Monoachser, da er in der Gespann-Mitte stabiler ist und nicht so schnell abknickt – das war dann aber auch schon alles was uns zu den Vorteilen in Bezug auf Stellplatz „beziehen“ einfällt.

Doch von vorne: manche Plätze, meist in Frankreich, lehnen Tandemachser prinzipiell ab. Man hat dort Befürchtungen, dass sich das „fahrende Volk“ auf dem Platz niederlässt und verbietet daher Tandemachser prinzipiell.

Ein weiterer Grund warum Tandemachser manchmal nicht gerne gesehen sind ist die Tatsache, dass die beiden Achsen einen vormals schönen Stellplatz ganz schnell zu einem „Acker“ umgraben können. Das liegt daran, dass eine Achse stehen bleibt, falls der Wohnwagen auf der Stelle gedreht wird. Diese Achse drückt dann in der Drehbewegung den Boden weg.
Abhilfe schafft ein Mover, der den Wohnwagen in einer leichten Vorwärtsbewegung dreht.

Apropos Mover: wer, so wie ich, nicht von Natur aus, mit einer natürlichen Gabe geboren wurde einen 9m-Wohnwagen mit dem Auto zielsicher in einem Zug in eine viel zu kleine Parzelle rangieren zu können, dem sei ein Mover wärmstens ans Herz gelegt.

Dort wo man gegen Bier-Währung vielleicht noch ein paar starke Camper zum Ziehen findet,

hält sich die Hilfsbereitschaft bei einem Tandemachser sehr in Grenzen. Und auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird: ja, es ist unglaublich anstrengend einen Wohnwagen auf zwei Achsen von Hand in eine Parzelle zu „drücken“. Völlig egal ob das Stützrad dabei bis zum Anschlag heraus gedreht wurde um die vordere Achse zu entlasten.

Egal ob eine oder zwei Achsen: ab Aufbaulängen über 6 m wird es dünn mit spontaner Anreise in der Hauptsaison, wenn man nicht auf der Zeltwiese stehen möchte. Daher empfehlen wir immer die Campingplätze vorher anzurufen um sich nach den Möglichkeiten für größere Wohnwagen zu erkundigen.

Die meisten Campingplätze reagieren mittlerweile auf das Klientel mit den großen Wohnwagen und bieten oft sog. Komfort- oder XXL-Plätze an.

Kosten

Monoachser Wohnwagen LMC Musica 520 D

Bei den laufenden Kosten als auch bei den Anschaffungskosten hat der Monoachser ganz klar die Nase vorne.

Ersatzteile

Beim Monoachser gibt es ganz grob nur halb so viele Teile, die am Chassis kaputt gehen können als beim Tandemachser. Oder anders herum: ein Tandemachser benötigt 4 Reifen statt 2, benötigt 4 Bremsen statt 2, Stossdämpfer, Mover-Motoren, usw… Das kann schnell ins Geld gehen.

Mover?

Ein großer Kostenblock bei der Anschaffung ist sicherlich der Mover. Es gibt genügend Camper, die sich einen Mover mit nur zwei Motoren an einen Wohnwagen mit 4 Rädern montieren lassen. „Das geht schon (irgendwie)“ ist der Tenor, den man dazu in den Diskussions-Gruppen liest. Souveräner, vor allem, wenn es unebenes oder matschiges Gelände ist, ist auf alle Fälle der Allrad-Mover oder auch 4WD-Mover genannt. Eines muss aber auch dabei klar sein: die Allrad-Mover kosten ziemlich genau das doppelte eines 2WD-Movers. Teuerer wird unter Umständen die Batterie, denn diese muss ja dann vier statt zwei Motoren „befeuern“.

Zugfahrzeug

Da wir uns in diesem Artikel auf große Wohnwagen fokussieren, möchte ich das Thema Zugfahrzeug nicht unbedingt thematisieren. Nur so viel sei gesagt: wer sich mit der Anschaffung eines großen Wohnwagens beschäftigt sollte auch an das Zugfahrzeug denken. Ab einer bestimmten Größe bzw. einem bestimmten Gewicht führt kein Weg mehr um einen potenten SUV oder einen gut motorisieren Van.

Und auch beim Führerschein sollte man sich vorher erkundigen: wer einen alten „Klasse 3“ Führerschein hat, braucht sich keine Gedanken machen. Anders ist es bei der EU-Führerscheinklasse B96: mit diesem Führerschein dürfen Gespanne mit einem max. zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 4,25 Tonnen bewegt werden. Wer sich nun einen Wohnwagen mit 2t Gesamtmasse kaufen möchte sollte vorher nochmal einen Blick in den Fahrzeugschein des Zugfahrzeugs und auf den Führerschein werfen. In vielen Fällen macht daher die Führerscheinklasse „BE“ deutlich mehr Sinn.

Versicherung

Wohnwagen-Versicherungen unterscheiden übrigens nicht nach Mono- und Tandemachser. Hier wird anhand anderer Parametern, wie zum Beispiel Alter, Listenpreis, Ausstattung, die Versicherungsprämie berechnet.

Maut

Und auch bei der Maut ist es nur in Italien ein Thema ob ihr den Wohnwagen auf zwei oder auf vier Rädern stehen habt. Alle anderen Maut-pflichtigen Länder berechnen ihre Maut auf Basis des Gewichts.

Fazit

Die Kosten beim Tandemachser sind deutlich höher als beim Monoachser. Sowohl im Unterhalt als auch in der Anschaffung. Hinzu kommt, dass wir eine elektrische Rangierhilfe bei Tandemachsern für notwendig erachten.

Auf der anderen Seite bietet der Tandemachser aber Vorteile bei der Sicherheit, Laufruhe und bei der Zuladung.

„Probleme“ hatten wir mit unseren Tandemachsern bisher noch auf keinem Campingplatz, wobei man fairerweise aber sagen muss, dass wir auch nur Plätze mit einer entsprechenden Infrastruktur anfahren.
Ab einer Aufbaugröße von mehr als 6 Metern stellt sich die Frage wie sinnvoll ein Wohnwagen mit nur wenigen Kilogramm Zuladung ist, wenn man ihn als Reisewagen nutzen möchte.

Und bei den „ganz Großen“ stellt sich die Frage nicht mehr – diese werden nur auf zwei Achsen gestellt.

Daher muss das Fazit wie so oft beim Wohnwagen lauten: geht rein und kauft Euch den Wohnwagen in dem Ihr Euch wohl fühlt und der technisch in Ordnung ist. Ob dieser dann auf zwei oder auf einer Achse stehen sollte müsst Ihr für Euch selbst entscheiden.

Für mich persönlich gibt es im Bereich der großen Wohnwagen keine Alternative zum Tandemachser und ich freue mich, dass die Hersteller mittlerweile auf diesen Markt reagieren.

Tip: eine tolle Gruppe, wenn es um das Thema Tandemachser geht findet man bei Facebook: Den “Club der Tandemachser

Über den Autor

Michael Lang
Founder & CEO

“Länge läuft”

2 Responses

  1. Alexander Scjeydt

    ……hallo Michael! Einen deiner Eindrücke kann ich nicht so ganz teilen! LMC und soweit ich weiß auch Bürstner haben leider ihr Angebot an Tandems reduziert! LMC hat mit dem Modelljahr 2018 den 675 E und 675 D eingestellt und baut nur noch den 735K!

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