Erst mal klingt es verrückt: Ein Luft-Vorzelt! Keine Stangen und stattdessen nur getragen durch Luftschläuche – aber wenn man kurz drüber nachdenkt, dann hat das auch was!

[Gast-Beitrag] Einfach aufpumpen statt stundenlang Stangen sortieren, entspannt in den Urlaub starten und schon im Liegestuhl liegen, wenn die anderen noch versuchen, die Stimmung wieder zu beruhigen. Auch für mich war das der Grund, warum ich unser Stangenvorzelt ungenutzt verkauft habe und eine Markise am Wohnwagen angebracht habe. Inzwischen haben wir in unserem Shop viele Luft-Vorzelte aufgenommen und verkauft – über die Erfahrungen damit möchte ich hier gerne berichten.

Erst mal haben doch viele noch Zweifel: hält das wirklich? Was ist, wenn es stürmt oder mal regnet? Was passiert, wenn die Luftschläuche undicht sind? Muss ich jeden Tag nachpumpen? Kann ich mit einem Luft-Vorzelt auch im Winter Urlaub machen? Alle Fragen drehen sich um das eine Thema: sind die Luftschläuche ein zuverlässiger Ersatz für die Stangen aus Stahl oder Aluminium?

Auch wir waren skeptisch

und wollten wissen, was wir denn da verkaufen. Also haben wir ein Luft-Vorzelt genommen – sogar ein günstiges Einsteiger-Vorzelt und haben es auf Herz und Nieren getestet. Konkret haben wir es aufgebaut, mit den beiliegenden Mitteln abgespannt.  Dann haben wir mit einem Flugzeug Gas gegeben und das Vorzelt direkt von vorne angeblasen und den Luftstrom gemessen. Bis 75km/h haben wir es probiert – Böen waren sicherlich auch stärkere dabei. Der verblüffende (aber eigentlich logische) Effekt: es ist nix passiert. Das Vorzelt hat sich eingedellt und sobald der Wind nachgelassen hat, hat es sich wieder aufgerichtet. Ergebnis der Tortur: keine Beschädigung des Zeltes, aber auch nicht an der Peripherie durch umherfliegende Stangen oder ähnliches.

Inzwischen haben uns das auch Kunden bestätigt. Wir haben erst einen dokumentierten Fall eines Windschadens an der spanischen Küste. Das Zelt war ohne Sturmbänder aufgestellt, hat sich dadurch sehr stark eingedellt und dabei eine Vase vom Tisch geschmissen. Dem Zelt ist nix passiert.

Auch undichte Schläuche stellen sich nicht als Problem dar: in der gesamten Zeit und nach vielen hundert verkauften Zelten haben wir einen Luftschlauch ausgetauscht. Das ging problemlos, per Express direkt auf den Campingplatz. Es sei angemerkt, dass durch so einen defekten Luftschlauch auch nicht das ganze Zelt zusammenfällt. Dazu aber später noch mehr.

Nachpumpen kommt ab und an mal vor

Vor allem, wenn das Zelt starken Klimaschwankungen ausgesetzt ist. Dies schildern aber alle als unproblematisch. Für einen normalen 14-tägigen Sommerurlaub reicht das einmalige Aufpumpen in der Regel schon.

Wintertauglichkeit ist dann aber natürlich so eine Sache. Ein richtiges Wintervorzelt mit Luft-Gestänge gibt es meines Wissens (noch) nicht. Das hat aber weniger mit dem Luftgestänge zu tun, als mit dem verwendeten Zeltstoff. Dieser muss bestimmte Anforderungen erfüllen was Wassersäule und Reißfestigkeit angeht und dazu noch eine bestimmte Dachlast aushalten bzw. eine hohe Dachschräge besitzen. Wer bisher auch im Winter campen ist und dabei ein Vorzelt nutzt, welches kein ausgewiesenes Winter-Vorzelt ist, der kann das wohl auch mit einem Luft-Vorzelt machen.

Welches Luft-Vorzelt ist denn das richtige?

Wie bei allen Vorzelten richtet sich die Auswahl des richtigen Zeltes nach den persönlichen Bedürnissen und dabei geht es vor allem um den Einsatzzweck und die Größe. Auch hier kann man die Klasse der leichten Reisevorzelte identifizieren. Diese halten in der Regel Wassersäulen bis 3.000mm aus und sind eher auf Schönwetter-Camping ausgerichtet.

Dafür wiegen sie nicht viel und sind entsprechend schnell auf- und abzubauen. Diese gibt es schon zu Preisen von knapp über 300 Euro. Hier finden sich die Eigenmarken der großen Versender (Reimo, Fritz-Berger, Obelink) aber auch das Einsteiger-Sortiment der namenhaften Hersteller. Das DWT Bora Air spielt hier eine Rolle, aber auch Outwell, Vangoo und Kampa sind im Bereich der

Luft-Vorzelt Dorema Magnum Air 520
Luft-Vorzelt Dorema Magnum Air 520

Campingbusse vertreten.

Die Reisevorzelte – nimmt man wieder die Wassersäule als Maßstab – decken alles darüber hinausgehende ab. Mit diesen Zelten kann man dann quasi jede Camping-Saison abdecken (Achtung: gem. der offiziellen Definition ist der Winter keine Camping-Saison). Hier spürt man das höherwertige Material allerdings auch deutlich im Geldbeutel und die Preise überschreiten schnell die 1.000 EUR Grenze.

Derzeit sind in Deutschland mit nennenswerten Stückzahlen in diesem Bereich folgende Hersteller vertreten: Doréma, Kampa , Outwell, Vangoo und Westfield.

Hier jetzt auf alle Besonderheiten der Hersteller und des Angebotes einzugehen würde den Rahmen dieses Artikels sicher sprengen und die Informationen hätten auch nur eine kurze Halbwertzeit, denn die Hersteller legen teilweise sogar während der Saison Modelle nach.

Für jeden Geschmack das passende Luft-Vorzelt

Im Grunde gibt es hier auch für jeden Geschmack das passende Zelt: Egal ob 8m lang und 3m tief (Kampa Frontier AIR Pro) oder das Doréma Magnum Air Force 390 welches mit einer Grundbreite von 3,90m bis zu einer Breite von 7,80m modular erweitert werden kann ist nach oben keine Grenze gesetzt. Aber auch kleinere Modelle sind verfügbar und für alle Wohnwagen, Campingbusse und Wohnmobile gibt es passende Zelte. Inzwischen werden auch so genannte Exoten wie der Bürstner Averso Plus (Hubbett) oder die Eriba Touring Serie sowie der T@B mit Luft-Vorzelten bedient.

Der Aufbau

Ein Unterschied ist für mich immer von größerer Bedeutung: der Aufbau!

Bei einigen Herstellern muss jeder Luftschlauch einzeln aufgepumpt werden. Bei kleineren Tunnelvorzelten ist das in der Regel kein großer Aufwand, bei größeren Vorzelten kann dies aber schon einige Zeit in Anspruch nehmen.

Der große Vorteil ist die vollständige Unabhängigkeit der Schläuche voneinander. Sollte es wirklich mal zu einem Schaden kommen, so ist wirklich nur dieser eine Schlauch betroffen. Bequemer ist natürlich der Aufbau über ein zentrales Ventil, wie ihn zum Beispiel Kampa und Outwell bieten.

Hierbei sind alle Schläuche untereinander verbunden und das Zelt richtet sich wie von alleine auf. Die Verbindungen zwischen den Schläuchen lassen sich in der Regel mittels Ventilen absperren und so ist auch hier im Schadensfall sichergestellt, dass die übrigen Schläuche die Luft behalten. Für mich – mit mehreren Reisen pro Jahr und vielen Wochenendausflügen – ist das Aufbauen über ein zentrales Ventil die angenehmere Alternative.

Worauf sollte man achten?

Im Grunde gibt es bei einem Luft-Vorzelt nicht viele Dinge die anders sind, als bei anderen Vorzelten.

Luft-Vorzelt Kampa Frontier Air 2017

Man muss allerdings beachten, dass es nur sehr wenige Luft-Vorzelte gibt, die – wie man das als Wohnwagenbesitzer vielleicht gewohnt ist – vollumfänglich in die Kederleiste eingezogen werden, also umlaufend sind. Derzeit bieten nur Herzog und – seit Februar 2017 – auch Doréma ein solches Zelt an. Das Doréma Maribor Air erinnert in der gesamten Anmutung an klassische Vorzelte mit Stangen und setzt tatsächlich Maßstäbe im Markt. Es ist zu erwarten, dass andere hier nachziehen werden.

Alle anderen Luftvorzelte sind so genannte Teil-Vorzelte, werden also nur in die obere Kederleiste eingezogen. Das ist für viele noch ungewohnt, denn man muss auf einige Dinge achten. Besonders entscheidend ist die Anbauhöhe – ein Höhenband in dem das Vorzelt verwendet werden kann. Die Anbauhöhe bezieht sich dabei auf die Höhe der Kederleiste am Wohnwagen oder Wohnmobil und ist nicht gleichbedeutend mit der Höhe des Fahrzeuges. Die Kederleiste muss in diesem Höhenband verlaufen da nur so sichergestellt ist, dass der Zeltstoff an den Seiten des Zeltes in der Höhe ausreichend ist bzw. nicht zu tief nach unten hängt. Man sollte hier auch nicht davon ausgehen, dass die Händler hier großzügige Reserven einrechnen. Im Zweifel fragen Sie Ihren Händler im Vorfeld.

Auch sollte man darauf achten, dass die Seitenteile dann an der Seitenwand des Wohnwagens oder Wohnmobils nach unten laufen und dabei evtl. Fenster und Klappen überdecken. Bei Fenstern ist dies erst mal unkritisch und es obliegt der persönlichen Wahrnehmung ob das OK ist oder nicht. Kritischer wird es schon bei Seitenklappen. Das ist doch störend, wenn diese nicht oder nur schwer erreichbar sind. Insbesondere die WC-Klappe sollte auf jeden Fall frei bleiben.

Ebenso muss man ein Auge darauf haben, wie hoch der Abstand von Kederleiste und Türoberkante ist. Die Luftschläuche weisen eine gewisse Dicke auf. Die ist normalerweise nicht störend, beträgt aber immerhin zum Beispiel bei Kampa 10cm. Bei einigen älteren Wohnwagen haben wir festgestellt, dass dies im unglücklichen Fall die Tür blockieren kann.

Wenn man diese Besonderheiten beachtet, dann sind Luft-Vorzelte aber verlässliche Partner auf Reisen und sie punkten durch schnellen Aufbau. Dabei sparen Sie noch Gewicht und sind unempfindlicher bei Sturm. Es gibt eigentlich aus meiner Sicht heute nur noch wenig Gründe, ein Reisevorzelt mit klassischen Stangen aus Stahl oder Aluminium zu kaufen!

 

Über den Autor

Wolf-Steffen Schau

Wolf-Steffen Schau (Mr. Van) betreibt mit seiner Frau (Mrs. Cara) den Online-Shop www.camping-trend.de.

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