“Kopf nach unten” ist nicht jedermanns liebste Schlafposition. Und auch wenn der Kaffee am morgen danach selbstständig aus der Tasse fließen kann zeigt das eigentlich nur eines: der Wohnwagen steht krumm und wurde nicht richtig ausgerichtet. Wohnwagen ausrichten – eine Geschichte voller Missverständnisse…

Vorab: wenn Ihr irgendjemand seht, der seinen Wohnwagen mit Hilfe der Stützen ausrichtet, dürft ihr sofort hingehen und ihn als “[denkt Euch was aus]” beschimpfen.
Nur zu oft sieht man es, dass manche Wohnwagenbesitzer ihren Wohnwagen mit den Stützen ins Wasser (im Sinne von gerade) stellen. Selbst wenn der Wohnwagen bereits winselt und knarrt – egal!

Ihr denkt das ist ein Witz? Keineswegs! Ich habe erst vor ein paar Wochen im Urlaub erlebt wie ein (unbelehrbarer) Nachbar seinen nagelneuen 80.000 Euro “Glamper-Hänger” mit Hilfe einer großen Makita dazu gezwungen hat, den Hintern um gute 20cm zu heben… Darauf angesprochen hat er mir etwas von Schwerlast-Stüzen bla, bla, bla erzählt.

Daher oberste Regel:

Es sind Stützen! Keine Heber!

Das heisst ganz konkret, die Stützen sind ausschließlich dafür da, Euren Wohnwagen in der Parkposition zu stabilisieren. Nicht um den Wohnwagen anzuheben – auch nicht ein bisschen!

Al-Ko Caravan Chassis
(c) AL-KO Fahrzeugtechnik

Um den Grund dafür zu verstehen muss man sich ein Chassis eines Wohnwagens genauer anschauen.

Bei vielen Herstellern sind die Stützen entweder am Ende des Rahmens, der sich nach hinten “verjüngt” angebracht oder noch schlimmer, direkt am Aufbau. In beiden Fällen ist das Material nicht stark genug auf Dauer einen Wohnwagen mit mehren 100kg “aufzubocken”.

Das schwächste Material gibt zuerst nach. Im besten Fall verbiegt Ihr bei so einer Aktion die Haltestangen der Stützen, im schlimmsten Fall verformt Ihr den Unterboden Eures Wohnwagens. Das kann soweit gehen, dass sich der Aufbau mit verformt, sich verzieht und undicht wird. Vielleicht nicht beim ersten oder zweiten Mal – aber auf Dauer hält das das Material nicht aus.

Ausrichten in 3 Schritten

Schau Dir den Stellplatz an

  • Ist der Stellplatz gerade oder abschüssig?
  • An welcher Stelle würde Dein Wohnwagen nach Augenmaß noch halbwegs gerade stehen?
  • Wenn Du Bedenken wegen dem Gefälle eines Stellplatzes hast, kannst Du auch den Platzwart darauf ansprechen und Dir einen anderen Platz zuweisen lassen.
  • Denke bei der Wahl der Position auch an Vorzelt, Anschlüsse, usw.
  • Dann zieh’ oder schieb’ oder mover’ Deinen Wohnwagen an diese Position
  • Noch nicht abkuppeln bzw. den Mover zurück fahren!

Zuerst die Querachse ausrichten

  • Schnapp Dir eine Wasserwaage (manche Deichseln haben diese auch schon integriert) und lege sie quer zur Fahrtrichtung in Deinen Wohnwagen. Wichtig: es muss eine Fläche sein, von der Du weisst, dass sie absolut gerade ist. Ein Schrank oder der Fussboden beispielsweise.
  • Ist der Wagen in der Querachse im Wasser? Prima – dann gehe gleich zum nächsten Schritt.
  • Wenn der Wagen in der Querachse nicht gerade ist, heisst das wir müssen entweder eine Seite höher bringen oder eine Seite tiefer.
  • Tiefer ist in der Theorie einfach, in der Praxis aber … naja… ich kenne keinen Platzbesitzer, der das prickelnd findet wenn die Leute anfangen ihre Wohnwagen einzugraben. Dazu kommt, dass man x Mal nachprüfen muss ob der Wohnwagen nun tief genug ist. Da ist Stress mit dem Campingplatz, dem Ehepartner, etc. vorprogrammiert.
  • Das heisst eine Seite des Wohnwagens muss höher als die andere Seite. Dies erreichen wir, in dem wir die Achse, die zu tief steht anheben. Hierfür gibt es drei Möglichkeiten:
    • Bretterkonstruktion
      Bretter, die ein wenig breiter sind als Eure Reifen sind eine denkbare einfache aber effektive Möglichkeit den Wohnwagen hoch zu bekommen. Hierzu schiebt, movert oder zieht Ihr den Wohnwagen nochmals ein wenig zurück. Danach legt ihr die Bretter an die Stelle, an der später der Reifen des Wohnwagens stehen soll.
      Nun den Wohnwagen auf das Brett bewegen und sofort danach die Wasserwaage kontrollieren? Ist die Querachse nicht gerade wird einfach ein Brett nachgelegt.
    • Auffahr-Keile

      Auffahr-Keile können für ungeübte Wohnwagen-Fahrer eine Herausforderung sein, da der Wohnwagen auf einer Seite dadurch schräger steht als auf der anderen Seite. Da ist ein sehr sensibler Gasfuss gefragt.
      Ansonsten ist das Prinzip der Auffahr-Keile das Gleiche wie bei der Bretterkonstruktion: der Wohnwagen wird zum Ausrichten auf die Keile gezogen, geschoben, gemovert bis er im Wasser steht.
      Am einfachsten ist das mit einem Mover, da er Zentimeter-genaues Bewegen des Wohnwagens zulässt.
      Anschließend müssen die Räder noch mit einem Unterlegkeil gegen zurück rollen gesichert werden.
    • Wagenheber
      Wenn wenig Platz zum ausrichten ist, kann man zur Not auch zum entsprechend ausgelegten Wagenheber greifen. Diesen positioniert man gemäß Wohnwagen-Bedienungsanleitung unter der Achse.
      Dann wird der Wohnwagen soweit an der Achse angehoben, bis bspw. Bretter unter das Rad geschoben werden können.
      Speziell bei nassem oder sandigen Boden ist diese Technik aber wegen der Gefahr des Einsinkens des Wagenhebers nicht unbedingt geeignet.
  • Wichtig: wenn der Wohnwagen in der Querachse gerade steht sollte die Handbremse angezogen werden. Danach den Wohnwagen, falls er noch angehängt ist, vom Auto abhängen.

Endpurt: Längsachse ausrichten

  • Nun dreht Ihr die Wasserwaage herum, so dass sie in Richtung Deichsel zeigt. Ist die Waage im Wasser – perfekt! Auf zu nächsten Schritt.
  • Die Längsachse könnt Ihr einfach unter Zuhilfenahme des Stützrads ausrichten. Dreht so lange hoch bzw. runter, bis der Wohnwagen gerade steht.

Stützen runter!

  • Schnappt Euch die Kurbel um Eure Stützen runter zu kurbeln.
  • Normalerweise dreht man zuerst die hinteren Stützen runter und dann die vorderen. Der Grund dafür ist, dass man aufgrund des Stützrads, das vorne fest steht, den Wohnwagen nun über die hinteren Stützen nicht mehr versehentlich anheben kann.
    Ausnahme: wenn Ihr ein gefedertes Stützrad wie bspw. das AL-KO Premium Stützrad habt, solltet Ihr zunächst die vorderen Stützen herunter kurbeln und darauf achten, den Wohnwagen nicht anzuheben.
  • Als Faustregel gilt: die Stützen handfest anziehen und dann nochmals eine halbe Umdrehung.
  • Dann kommen die hinteren Stützen runter.
  • Kurzer Gang durch den Wohnwagen. Wackelt etwas? Wenn ja, dann nochmals vorsichtig die Stützen etwas stärker runter krubeln – immer in 1/4 Umdrehungen
  • Nicht vergessen: Handbremse lösenn. Der Wohnwagen steht nun stabil auf seinen Stützen.
  • Ob das Stützrad hochgedreht werden muss, daran scheiden sich die Geister… Ich persönlich drehe mein Stützrad immer hoch um die Deichsel zu entlasten.

Akkuschrauber oder Kurbel?

Bei jedem Wohnwagen sollte eine entsprechende Kurbel dabei sein. Damit lassen sich die Stützen zur Not auch “mit Gefühl” nach unten schrauben.

Mittlerweile gehen aber viele Camper dazu über einen Akkuschrauber mit einem entsprechenden Aufsatz zu versehen. Damit geht das Kurbeln extrem schnell, es ist aber auch etwas Fingerspitzengefühl gefragt um die Stützen nicht zu stark nach unten zu drehen und den Wohnwagen damit anzuheben. Wir empfehlen hierfür einen Akkuschrauber mit mind. 12V.

Über den Autor

Michael Lang
Founder & CEO

"Länge läuft"

2 Responses

  1. Oliver Fchs

    Guter Artikel, ich kann nur beipflichten, dass es viele Camper gibt, die auf Dauer die Wagen kaputt kurbeln.
    Wünschenswert wären zwei Hinweise:
    1. es ist sinnvoll darauf zu achten, ob der Wagen nach ein paar Tagen noch ohne Bewegungen steht. Dann sollte man die Stützen etwas nachjustieren, was bei weichen Böden vorkommen kann.
    2. beim Akkuschrauber die Drehmomentbegrenzung zu nutzen (größte Schrauben, aber nicht Bohren verwenden).

    Ach ja: ich bin auch immer mit einem 18V Schrauber herumgelaufen, damit genug Kapazität vorhanden st.
    Jetzt nutze ich einen handlichen 10,8V Bosch Professional Schrauber.
    Trotz kleinem Akku reicht die Kapazität locker (!), um Stützen mehrfach zu bewegen und unser großes Zelt inkl. Schraubheringen aufzubauen.
    Vielleicht mal einen „Born 2 Camp“ Test wert 🙂

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    • Michael Lang
      Michael Lang

      Lieber Oliver,
      diesen Vorschlag nehmen wir gerne auf und werden demnächst mal sowohl Akkuschrauber als auch die Festigkeit von Heringen vs. Schrauben bei uns testen 🙂
      Gruß
      Dein BORN2CAMP-Team

      Antworten

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