Leider treten heftige Unwetter immer häufiger und immer unkalkulierbarer auf. Wir Camper planen ja normalerweise nicht unsere Reisen rund um irgendwelche Wetter-Phänomene wie Gewitter oder Stürme. Denn wenn wir uns jedes Mal auf die Prognosen und Wetter-Vorhersagen verlassen würden, kämen wir vermutlich nie in den Urlaub. D.h. Unwetter sind einfach eine Tatsache, die wir mit einplanen müssen und uns auch entsprechend darauf vorbereiten müssen.

Aufgrund der verheerenden Unwetter dieses Jahr u.a. in Cavallino an der Adria-Küste haben wir beschlossen, eine TOP 5-Liste zu erstellen: richtiges Verhalten vor, während und nach einem Unwetter.

1. Bereite Dich auf ein mögliches Unwetter vor

Vor der Abfahrt

  • Ein 1.-Hilfe-Kasten darf in keinem Camper fehlen. Überprüfe vor Deinem Urlaub ob er noch vollständig ist.
    Denn: weisst Du ob sich der Kofferraum Deines Autos im Falle eines Falles noch öffnen lässt? Wir haben das “Trip Worthy” Verbandspackage dabei. Klein, leicht und überall gut zu verstauen: http://amzn.to/2vtuyzK
  • Feuer im Camper wird schnell zu einem echten, unkontrollierbaren Problem. Daher sollte auch ein Feuerlöscher immer mit zu Deiner Grundausstattung zählen. Viele Wohnmobile haben dies bereits serienmäßig mit an Bord. Die Wohnwagen-Hersteller scheinen dies zu ignorieren. Nicht mal auf den Zubehörlisten findet man aktuell Feuerlöscher. Also ab zum nächsten Baumarkt und mind. einen 1kg-Löscher besorgen. Oder online bestellen: http://amzn.to/2vq1daZ
  • Unwetter Union Lido August 2018, CavallinoHast Du eine verlässliche, helle Taschenlampe im Wohnwagen? Wenn etwas zuerst ausfällt, dann der Strom. Stelle unbedingt sicher, dass Du für ausreichend Licht sorgen kannst, falls die Stromversorgung Deines Campers ausfällt oder Du Deinen Camper im Dunkeln verlassen musst. Wir haben hierfür eine Maglite im Wohnwagen. Diese hat Michael in seiner Zeit beim Katastrophenschutz zu schätzen gelernt: http://amzn.to/2uND4aB. Da dieses Modell extrem stabil ist, kann man sie auch dazu nutzen um bspw. etwas aufzustemmen oder eine Scheibe im Notfall einzuschlagen.
  • Schau Dir Deinen Wohnwagen oder Dein Wohnmobil genau an: wo sind mögliche Fluchtwege? Präge Dir ein wie Du am schnellsten aus Deinem Wohnwagen flüchten kannst, falls der Eingang blockiert ist. Welche Fenster sind groß genug um durch zu steigen? Gibt es eventuell Dachluken über die Du schnell nach außen kommst? Welche findest Du unter Umständen auch in völliger Dunkelheit wieder? Hast Du als Wohnmobilist vielleicht sogar einen Rettungshammer (http://amzn.to/2wPyMAU) dabei?
  • Hast Du einen zentralen Punkt im Wohnwagen mit allen Papieren und Dokumenten? Nach einem Unwetter brauchst Du diese wahrscheinlich schnell um Dich bspw. mit Versicherungen, Automobilclub oder ähnlichen Institutionen abzustimmen. Wir empfehlen eine Dokumentenbox, in der Deine Unterlagen sicher verstaut sind: http://amzn.to/2wB2SZJ
  • Habt Ihr eine Notfallkarte mit den wichtigsten Daten von Euch an Bord? Die Kollegen von Camperstyle haben dazu eine guten Artikel mit einer Vorlage verfasst: https://de.camperstyle.net/notfallkarte-mit-persoenlichen-daten/
  • Kennst Du im Zweifelsfall die Notrufnummern Deines Urlaubsdomizils? Ihr solltet diese unbedingt im Vorfeld in Eurem Handy abspeichern und zusätzlich auf Papier notieren.
    Generell gilt die 112 als internationale Notrufnummer in allen EU-Ländern. Halte zusätzlich auch irgendwo die genaue Adresse Eures Campingplatzes und Eure Stellplatznummer fest.

Bei der Ankunft

  • Klar, im Sommer bevorzugen wir alle schattige Plätze. Schau Dir bei Ankunft die Bäume um Dich herum genau an. Gibt es alte und morsche Äste? Welche Äste könnten brechen? Große Zweige können tödliche Fallen werden. Stelle im Zweifelsfall Deinen Camper nochmals um oder frag den Platzwart bestimmte Äste zu entfernen.
  • (c) Jürgen Drexel - Unwetter Union Lido August 2018, CavallinoHaltet mit Eurem Camper  Abstand zu Euren Nachbarn. Das ist nicht nur für Eure Privatsphäre gut, sondern schafft Euch im Notfalls auch Platz um Euch zum Beispiel in Sicherheit zu bringen. Auch aus Feuerschutzgründen gehen immer mehr Plätze dazu über einen Mindestabstand zwischen Wohnwagen und Wohnmobilen vorzuschreiben.
  • Orientiere Dich: wo sind Fluchtwege über die Du am schnellsten in Sicherheit kommst?
  • Wo bist Du im Falle eines Unwetters sicher? Gibt es bspw. gemauerte Waschhäuser in der Nähe in die man sich im Notfall retten könnte?
  • Du stehst direkt am Wasser oder in der Düne? Wohin könnte Wasser fließen, falls es schnell ansteigt? Liegt Dein Strom so, dass davon keine Gefahr ausgehen kann?
  • Ist Dein Vorzelt oder Deine Markise ordentlich gesichert? Die “Spielzeug-Zeltnägel”, die teilweise bei den Vorzelten dabei sind halten einem echten Sturm nicht stand. In der Praxis hat sich übrigens eine ganz pragmatische Lösung für die Befestigung des Vorzelts sehr bewährt: lange (mind. 240er) Tellerkopf- oder Sechskant-Schrauben. Diese haben den großen Vorteil, dass man sie sehr schnell per Akkuschrauber in die Erde bekommt und der Untergrund (fast) keine Rolle spielt. Aufgrund des Gewindes halten diese extrem fest, sind aber beim Abbau auch wieder schnell aus der Erde gedreht. Und der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen: http://amzn.to/2vZpXHE. Falls Ihr Sechskant-Schrauben nehmt, solltet Ihr auch Unterlagscheiben mit dabei haben.
  • Spanne Dein Vorzelt bzw. Deine Markise gleich zu Beginn ordentlich ab. Du wirst im Falle eines schweren Sturms keine Zeit mehr haben, Deine Abspannung zu korrigieren. Und ein Unwetter “findet” jede Angriffsfläche Deiner Markise oder Deines Vorzelts. Hier bewahrheitet sich ein alter Spruch aus Michael‘s Divemaster-Ausbildung: “Kleine Probleme können schnell zu großen Problemen werden!”.
  • Falls Du sie nicht gleich am Anfang spannen willst: hast Du im Zweifelsfall Dein Sturmband (http://amzn.to/2uzkow9) schnell zur Hand und weisst Du, wie Du diese über Dein Vorzelt oder Deine Markise legen musst? Auch hier gibt es unterschiedliche Lösungen: mit Feder, ohne Feder oder wie bei bspw. bei Kampa mit Clips. In Gegenden, die für ihre Winde bekannt sind, wie bspw. die Nord- oder Ostsee empfehlen wir gleich von Anfang an ein Sturmband zu spannen.

2. Behalte das Wetter im Auge

  • Ihr habt ein Smartphone? Sehr gut! Vergesst die vor-installierten Wetter-Apps und besorgt Euch eine richtige Wetter-App, die auch Zuverlässig vor Unwettern warnt. Die „Computer Bild“ fand in einem Test heraus, (c) Jürgen Drexel - Unwetter Union Lido August 2018, Cavallinodass die Vorhersagen von den deutschen App-Anbietern WeatherPro und Wetter.com am präzisesten sind. Auch die Stiftung Warentest attestiert diesen beiden Anbietern gute Vorhersagen. Aktiviert in den Apps die Alarme für Unwetter und schaut Euch mind. einmal am Tag die Vorhersagen oder Wetterkarten an. Das kann manchmal auch ganz spannend sein, wie unterschiedlich die Algorithmen der einzelnen Anbieter das Wetter berechnen.
  • Beobachte das Wetter. Fangen die Wolken an sich zu großen Türmen aufzubauen, sog. Kumulonimben? Dann steht unter Umständen ein heftiges Gewitter kurz bevor. Wenn Du Dir nicht sicher bist: sprich mit Anwohnern oder dem lokalen Camping-Platz-Personal. Sie kennen die Gegend in der Du Urlaub machst meist schon ihr ganzen Leben und können Dir oft sagen ob man eher einen Regenschirm oder ein Sturmband benötigt.
  • Frag’ Deine Mitcamper wie sie die Wetter-Situation einschätzen.
  • Verlasse Dich nicht auf Deinen Campingplatz: im Zweifelsfall wird niemand an Deiner Türe klopfen und Dich warnen.
  • Ein ganz lustiges aber relativ sicheres Zeichen, dass schlechtes Wetter aufzieht: plötzlich beginnt es überall auf dem Campingplatz zu hämmern 😉 Das zieht meist einen Gruppenzwang mit sich und kurz nachdem der Erste angefangen hat zu hämmern, hämmert der halbe Platz…

3. Kurz vorher: letzte Maßnahmen

  • Wichtigste Regel: es bringt nichts, dem Unwetter davon zu fahren. Lasst das bleiben – egal wie schnell Ihr Euren Wohnwagen ziehen könnt. Wenn ein Unwetter kurz bevor steht bringt Ihr Euch mehr in Gefahr, wenn Ihr mit einem wackeligen, notdürftig zusammen gepackten Wohnwagen losrast als wenn Ihr Euch an ein paar Regeln haltet.
    (c) Jürgen Drexel - Unwetter Union Lido August 2018, CavallinoEin Wohnmobil kann man immer ersetzen – ein Leben nicht!
  • Geht nochmal in aller Ruhe um Euren Camper: sind alle Fenster und Dachluken geschlossen? Ist das Zelt bzw. die Markise sauber abgespannt?
    Spätestens jetzt sollte ein Sturmband gespannt werden.
  • Was liegt alles auf Eurem Stellplatz rum? Gibt es Tische, Stühle, Spielsachen, die Euch bei einer eventuellen Flucht im Wege sein könnten? Oder – viel schlimmer – evtl. bei einem Sturm sogar zu geschossen werden könnten? Alles was lose ist zumindest ins Vorzelt, damit niemand verletzt wird.
  • Droht ein Gewitter? Zieht die 230V-Versorgung ab. Vor allem im Süden verdauen die Campingplätze einen möglichen Blitzeinschlag möglicherweise nicht. Die entstehende Überspannung könnte Eure Wohnwagen-Elektrik zerstören mitsamt der Geräte, die mit dran hängen. Die wenigsten Wohnwagen und Wohnmobile haben mehrstufige Schutzschaltungen. Daher ist “Stecker raus” immer noch die beste Möglichkeit.
  • Fahrt künstliche Erhöhungen Eures Wohnwagens wie beispielsweise autom. SAT-Anlagen auf dem Dach oder Fahnenmasten ein.

4. Verhalten während dem Unwetter

  • Bleibt ruhig und verfallt nicht in Panik.
  • (c) Jürgen Drexel - Unwetter Union Lido August 2018, CavallinoFalls es sich um ein starkes Unwetter handelt und Ihr die Möglichkeit habt: schließt den Wohnwagen, nehmt Eure Dokumentenbox mit und geht ruhig aber schnell in eine sichere Umgebung. Das kann bspw. ein Waschhaus oder ein Restaurant sein.
  • Wenn das Unwetter in vollem Gange ist, riskiert nichts! Alles ist sicherer als bei einem Unwetter ungeschützt im freien zu sein! Bleibt im Zweifelsfall in Eurem Camper.
  • Der sicherste Ort ist nach einem gemauerten Gebäude Euer Fahrzeug. D.h. entweder Euer Zugfahrzeug oder die Fahrerkabine Eures Wohnmobils. Hier habt Ihr einen stabilen faradayschen Käfig um Euch herum. Ein Wohnwagen bietet keinen echten Schutz wenn große Äste darauf fallen.
  • Das Alkoven eines Wohnmobils ist aufgrund seiner Bauart und seiner Höhe kein sicherer Ort während eines Unwetters!
  • Versucht nicht Eurer Vorzelt gegen “Wegfliegen” zu sichern in dem Ihr es fest haltet. Speziell nicht wenn es gewittert. Ein abgerissenes Vorzelt bedeutet im schlimmsten Fall ein zerrissenes Zelt, eine kaputte Kederleiste und vielleicht ein paar Dellen im Camper. Unter diesem Aspekt sollte man zweimal darüber nachdenken ob man sich mit seinem Leben an 20qm Zeltplane bei 10 Windstärken hängen möchte. Auf die verschärfende Kombination Blitzschlag und Stahlgestänge möchten wir an dieser Stelle nicht eingehen. Das erklärt sich eigentlich von selbst.
  • Wohnwagen und Wohnmobile sind nicht unbedingt die sichersten Orte während eines Unwetters. Wenn Ihr entscheidet im Camper zu bleiben, haltet Euch möglichst in der Mitte, sprich im Gang des Wohnwagens auf. Haltet Euch von Fenstern fern.
  • Bleibt in Eurem Camper oder dem Gebäude in dem Ihr seid so lange das Unwetter anhält. Je nach Stärke des Wetters kann es lebensgefährlich sein raus zu gehen!

5. Nach dem Unwetter

  • Ihr solltet ca. 30 Minuten abwarten, bevor Ihr nach Ende des Unwetters wieder raus geht
  • (c) Jürgen Drexel - Unwetter Union Lido August 2018, CavallinoAchtet auf gebrochene Bäume oder Äste, die eventuell noch herunter fallen könnten
  • Nach Blitzschlägen oder Stromausfällen solltet Ihr Euch von Wasseransammlungen und großen Pfützen fern halten. Achtet auch auf die Kinder.
  • Bevor Ihr Euren Strom wieder anschließt, solltet Ihr überprüfen ob Eure Versorgungssäule in Ordnung ist. Auch hier gilt: nichts riskieren.
  • Helft auch anderen Campern, die es eventuell schwerer getroffen hat als Euch

 

Mittlerweile ist es gar nicht mehr wirklich vorhersehbar wie sich das Wetter entwickelt. Insbesondere an der Küste und in den Bergen dreht sich das Wetter immer schneller. Daher: gute Vorbereitung ist der beste Schutz vor einem Unwetter und beruhigt während des Unwetters ungemein.

 

Gerne erweitern wir diesen Artikel! Habt Ihr noch weitere Ideen, die man in dieser Liste mit aufnehmen sollte?`Hinterlasst uns Eure Meinungen und Anregungen einfach in den Kommentaren unter diesem Artikel.

 
Wir danken Jürgen Drexel von den “Union Lido Freunden” für die freundliche Überlassung seiner Bilder. Alle Bilder sind vom Unwetter auf dem Union Lido in Cavallino am 10 August 2017.

Achtung: Diese Liste enthält Links zu Amazon. Das soll nicht als Werbung oder als Aufforderung zum Kauf verstanden werden (wir freuen uns natürlich, wenn ihr über die Links einkauft), sondern zum leichteren Auffinden von geeigneten Produkten.

Über den Autor

Michael Lang
Founder & CEO

"Länge läuft"

2 Responses

  1. Alexander

    Finde eure Anregungen sehr gut!
    Ich denke das es nicht mal 5 % gibt die einen Feuerlöscher oder eine Löschdecke dabei haben noch sich Gedanken machen unter welchen Bäumen ihre WW stehen.

    Thema Panik dies geordnet nach einer so schweren Umwetterkatastrofe durzuziehen ist denke ich für den Otto normal Bürger sehr schwer wenn nicht die geeignete Person da ist und die nötige Ruhe zu bewahren.

    Was ich noch als sehr wichtig halte wenn man einen Campingplatz bezogen hat das man sich vertraut macht wo oder wie man das Gelände verlassen kann wo sind vor Ort Feuerlöscher usw…..

    Ich denke das die meisten Campingplatz Betreiber Ihre Notfallpläne neu ausarbeiten müssen da solche Wetterstationen immer wieder kommen können!

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  2. Ernst

    Super Bericht und zusammengestellt. Ich würde noch vorher die Glasflaschen komplett zudrehen. LG

    Antworten

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